Samstag, 10. Dezember 2011

Yearning or: how a single image shattered the cosmic complexity of one's primal emotion...

...only to see unspeakable silent sadness reflected in the remainng shards. Big enough to crush the soul.


When a Woman Ascends the Stairs

"You have no regrets?"

OT - Onna ga kaidan wo agaru toki / 女が階段を上る時 
Regie - Mikio Naruse
Drehbuch - Ryuzo Kikushima
Kamera - Masao Tamai
Erscheinungsjahr - 1960
Laufzeit - 111 Minuten



Jede Nacht ein weiteres mal werden diese verfluchten Treppen emporgestiegen um auf der letzten Treppe das Gesicht einer emotional gepeinigten Frau durch ein gestelltes Lächeln aus zu tauschen. Was sonst, die Kunden sind eben Könige. Und man selbst nur Dreingabe als Hostess. Die Frau als immer lächelndes Accessoire für die Männerwelt, in WHEN A WOMAN ASCENDS THE STAIRS wunderschön tragisch von Hideko Takamine porträtiert als repräsentatives Menschliches Plakat des ach so schwachen Geschlecht. Noch mehr als der große Frauenversteher Mizoguchi versteht es Naruse mit beängstigendem Feingefühl Takamines Charakter als eine Frau zu zeichnen welche im Sinne ihres Berufes nicht darauf eingehen will ihren Emotionen freien lauf zu lassen aber gleichzeitig nicht daran denken kann selbige zu unterdrücken. Da ist es nur konsequent ihr fast jegliche Form der Erlösung zu entziehen und sie in den Zyklus zurück zu schmeißen aus dem sie auszubrechen versuchte. Und das nicht aus vielleicht fehlender Antipathie von Naruse sondern ganz im Gegenteil aus kompletter Ehrlichkeit sowie Aufrichtigkeit gegenüber der Figur, ihrer Lage und der Realität der Dinge der damaligen Gesellschaft. Wo der Großteil Japans Anfang der 60er damit beschäftigt war auf einer neuen Welle der filmischen Freiheit zu reiten, um Grenzen auszutesten und vernachlässigte Spektren auszufüllen, vertraut Altmeister Mikio Naruse auf seine ruhige doch stets konkrete Observierungsgabe sowie seinen flüssigen Erzählstil, welchen zum Beispiel Kurosawa so sehr verehrte, und kreierte einen der bekanntesten Werke seiner Karriere.

Freitag, 9. Dezember 2011

Bumming in Beijing: The Last Dreamers

"We can't expect everyone to live or die just for great causes."

OT - Liulang Beijing
Regie & Kamera - Wu Wenguang
Erscheinungsjahr - 1990
Laufzeit - 70 Minuten


Wu Wenguang (Fuck Cinema) schlendert durch die Straßen Bejings und holt sich ein paar seiner Bekannten vor die Kamera um ihnen ein paar kleine aber essentielle Fragen über ihre momentane Existenz zu stellen. Alle befragten sind nämlich drifter. Künstler die ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber des Staates, welcher sie in verschiedene Job,n in verschiedene Regionen Chinas verfrachten wollte, nur in der Metropole Bejing als freiberufliche finden konnten. Stets auf der Suche nach einem stabilen Platz zum Wohnen, einem Mahl zum essen und auf der Flucht vor dem eigenen Wahnsinn. Aber dies ist der, bewusste, Preis den alle zahlen müssen um wirklich das zu tun was sie wollen und nicht das was die Gesellschaft von ihnen verlangt. Wu, welcher damals selbst einen ähnliche freiberuflichen Weg ging, folgt mit seiner Kamera bewusst nur Personen die er schon kennt und welche ihn schon kennen um dadurch eine gewisse Art von Intimität in ihrer Porträtierung zu erreichen welche so sonst bei Fremden schlicht weg fast unmöglich gewesen wäre. Ganz zu schweigen davon das es der eigentlichen Intention enorm hilft den Kampf nach Individueller Freiheit klar und mit der nötigen Integrität für die Sache darzustellen. Was ihm damals aber wohl nicht bewusst war ist die Tatsache das Bumming in Bejing in seiner von jeglichen Normen des Staates eigenständigen und intern blickenden unbeirrbaren Sichtweiße der quasi-Beginn der Untergrund Welle des neuen Chinesischen Dokumentarfilms werden sollte. Das alles zwar noch mit einzelnen Implementierungen einiger gängigen Methoden in der Form (z.B. den talking-heads), etwas was den Film für Wu in Retrospektive sogar zu einem "fehlgeschlagenes Experiment" macht. Das alles schmälert die Kraft des Films aber nur gering da man hier schon deutlich den kraftvollen Weg sieht welcher in der Zukunft so ein enorm erfrischender wurde der die Probleme, Veränderungen und die alltägliche Realität des eigenen Landes (welche viel zu oft einer Verzerrung durch den Staat zu Opfer fällt) dokumentierte. Allein dafür, wenn nicht schon für die eigentliche Qualität, ist das hier ein wahrhaftiges Muss für Interessenten.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Drive

"I'll drive"

Regie - Nicolas Winding Refn
Drehbuch - Hossein Amini, James Sallis
Kamera - Newton Thomas Sigel
Erscheinungsjahr - 2011
Laufzeit - 101 Minuten


Refns größte Errungenschaft und treibendes Element in seinem neusten Film ist in Wahrheit eigentlich keine wirklich große. Er bedient sich Mustern, nicht nur innerhalb der Genre spezifischen Handlung sondern auch in der künstlerischen Darstellung dessen. So ist es also wahrlich nichts neues was Drive uns bietet. Ganz im Gegenteil ist es sogar höchst Archaisch was uns hier vorgesetzte wird. Refn raubt den Bildern jegliche Form von innerer Bewegung und lässt ihre Stille die des Protagonisten widerspiegeln, dessen innere Isolation selbst durch größere emotionale Eruptionen kaum aus ihrer starren Stabilität gerissen werden können. (Oft interessiert die Kamera das verweilen in leeren Räumen mehr als alles andere) Es entsteht ein Bild, von dem aus zahlreichen Filmen bekannten wortkargen professionellen, welches dem von Melvilles und Manns scheiternden und ewig in sich treibenden Verlorenen Seelen erinnert. Die Erkenntnis mag hier also kaum eine neue sein geschweige den eine die sich durch ihre introspektive Intensität stark herauskristallisieren kann. Dazu gesellt sich auch noch die enttäuschende Tatsache das die Essenz der Existenz des Protagonisten, welcher schon längst in den Tiefen seiner Aggression verstummt ist, oft für Spielereien geopfert wird. Da wechselt die (eigentlich richtig fetzige) Musik dann einfach mal ohne Scham von reflektierter Darstellung der inneren Lage zu Manipulativen Lenkung der Emotionen des Zuschauers. Das mag jetzt nicht fatal sein nimmt dem Film aber die Grundlage effektvoll und nicht unbedingt oberflächlich das zu manifestieren was die großen wie Melville oder Mann in ihren Filmen gleicher Natur machen. Refns Driver sollte laut filmischen Anzeichen ein leerer sein doch wird er letztendlich doch zu einem coolen. Diese Erkenntnis macht den Film nicht sonderlich schlecht da einige der Zutaten durchaus schön eingebaut worden sind und die Stille auch in Retrospektive eine einnehmende war, doch sagt diese eine Erkenntnis trotzdem sehr viel über das Erreichen seiner anfänglichen Intention aus.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Goodbye, Dragon Inn

"There are Ghosts in here."


OT - Bu san
Regie & Drehbuch - Tsai Ming-liang
Kamera - Liao Pen-jung
Erscheinungsjahr - 2003
Laufzeit - 82 Minuten


Nur weil Menschen nicht miteinander reden heißt es nicht das sie nicht miteinander kommunizieren. Ganz im Gegenteil, erst wenn der Mensch aufhört sich auf Wörter zu verlassen und bemerkt das sie nichts weiter sind als weiße Flecken in der Menschlichen Verständnis so erkennt er das es die Stille ist die die Wahrheit nach außen trägt. Einer der wenigen Regisseure der dieses Konzept bis in Mark und Bein perfektioniert hat ist Tsai Ming-liang. Doch diesmal geht es nicht wie in seinen anderen Film hauptsächlich um den Mensch und dessen Unfähigkeit im Umgang mit den eigenen Emotionen sowie denen anderer, sondern um eine viel wichtigere Verknüpfung. Um das Lichtspielhaus und den Menschen der ihm inne wohnt. Da scheint es fast schon logisch das man am Ende mehr von diesem einen Kino erfährt, in welchem GOODBYE DRAGON INN spielt, als über die paar Personen die sich in ihm herumtreiben. Mit statischem Blick sieht Tsai in die Augen des Kinos das so langsam am verblassen ist. Es stirbt zwar eine langen, stillen und langsamen Tod, aber es stirbt. Nur sieht man dies fast nie. Deshalb, wenn gegen Ende die Lichter angehen im Saal, die Frau von der Kasse mit ihrem humpelndem Bein durch die leeren Gänge humpelt und wir, die Zuschauer, mit einer Einstellung konfrontiert werden die uns mal ganz Spiegel verkehrt nicht die Leinwand zeigt sondern das was davor liegt, ja dann sieht man diesen Tod, man sieht das Kino sterben und das letzte was man will ist das diese eine Einstellung aufhört. Und das tut sie auch nicht, jedenfalls für eine weile, den Tsai hält geschlagene 5 Minuten an ihr fest und lässt sie für diese ganz Zeit auch nicht durch einen doofen Schnitt kollabieren. Das erinnert an den berühmten sechseinhalb Minütigen Close-Up aus Tsais Meisterwerk Vive l'Amour und hat den selben Effekt. Man ist dankbar. Äußerst dankbar und erschüttert. Denn ist es genau das gewesen was man brauchte. Das der Film dabei aber nie bestimmerisch oder hochmütig mit sich selbst und uns umgeht sondern wie immer mit einer erstaunlichen Unbeschwertheit eine fast schon mystische Atmosphäre erschafft, ja das ist nebenbei bemerkt auch schon eine Leistung an sich. Besser kann Kino kaum werden.



Dienstag, 6. Dezember 2011

Blood is Dry

"They trust me!"

OT - Chi Wa Kawaiteru
Regie & Drehbuch - Yoshishige Yoshida
Kamera - Toichiro Narushima
Erscheinungsjahr - 1960
Laufzeit - 87 Minuten


Die Krankheit welche sich Gesellschaft schimpft ist eine Krankheit die dich bis zum letzten tropfen Blut aussaugt und dann weg wirft. Der einzige Wert den du für sie hast ist der den sie ausschlachten kann für die eigenen Vorteile. Eine Krankheit darauf bestimmt sich selbst zu verstümmeln ohne es mit zu bekommen. Und der Mensch steht mittendrin mit seiner schwachen Psyche. Er kämpft und glaubt doch fällt auch er wenn er seinen nutzten verspielt hat. Er fällt und wird bei seinem Aufprall, auf welchem Boden er auch immer landen wird, in tausend Scherben zerbrechen. Doch manchmal, manchmal hat er den Willen - Nein - Die Verzweiflung in sich vollkommen verzehrt und stürzt sich freiwillig hinab. Nur um die Augen der Welt auf sich gerichtet zu haben, um seine Verzweiflung kenntlich zu machen. Und das wird sie, sie werden ihn sehen, ihn auffange, ihn retten und bis ganz nach oben tragen. Er hat das getan was sich so wenige trauen, er wollte sich Opfern für uns alle. Und nun hat er es geschafft, er steht ganz oben, die Blicke auf ihn gerichtet und obwohl er erst nicht weiß was mit ihnen zu machen ist lernt er schnell sie für sich zu gewinnen und seine Vorhaben ihnen schmackhaft zu machen. Er ist ganz oben. Doch weiß auch er nicht das der Platz welchen er belegt nicht ein permanenter ist, die Welt hat ihn herauf getragen, dies ist die Tatsache welche er sieht doch erkennt er nicht das sie dies nur tat um ihn nach eigener Verwendung wieder herunter zu stoßen. Und diesmal wird niemand ihn auffangen, er wird fallen und kurz vor dem Aufprall, kurz vor seinem tragischen zerschellen wird es ihm klar, was die Gesellschaft welcher er vertraute ist, hinter ihrer lächelnden Fassade.
Eine Krankheit,
ohne Heilung.

Montag, 5. Dezember 2011

Bartas in Bildern - Korridor

So viel Traurigkeit, in der Tat.

OT - Koridorius
Regie & Drehbuch - Sharunas Bartas 
Kamera - Rimvydas Leipus
Erscheinungsjahr - 1994
Laufzeit - 82 Minuten