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Sonntag, 7. Juli 2013

Mahjong (Edward Yang, 1996)

"It's useless....It's useless!"

OT - Ma jiang
Regie & Drehbuch - Edward Yang
Kamera - Li Longyu, Li Yixu
Erscheinungsjahr - 1996
Laufzeit - 121 Minuten


Von solch Details wie dem kleinen Wohnzimmer des Vaters unseres Hauptprotagonisten, welches von den Beatles, einem NBA Poster und einer Amerikanischen Flagge geziert wird, bis hin zu solch offensichtlichen (aber immer noch mit einer natürlichen Beiläufigkeit ausgestatteten) Elementen, wie die Mitbewohner dieses Vaters welche sich aus diversen Nationalitäten zusammensetzen, Edward Yangs Reise durch die urbane Welt in der letzten Phase des Jahrhunderts ist wie gewohnt ein präziser Film über die komplizierten Umstände der Globalisierung seiner Stadt. Ein Treffpunkt der Klassen, Sprachen und Träume welcher sich in seiner kompetenten Konstruktion spielend einfach von Humor und Absurdität in eine alles ertränkenden Tragik verorten kann. Wobei man anmerken sollte das Yang hier, anders als in Taipei Story, The Terrorizers oder auch (mit Abstrichen) A Brighter Summer Day, uns in eine Neonblaue Welt der Zukunft entlässt, in welcher die ennui der Charaktere nicht vollkommen von der Unpersönlichkeit und den radikal vergrößerten Strukturen ihrer Umgebung verschluckt wird. Ein Ausblick mit Hoffnung in solch einer Welt, das mag man nun als Schritt vorwärts sehen oder als einen zurück. Persönlich muss ich sagen, das es Yang wohl geholfen hat, da er somit nun einen Ausgleich seiner früheren Ausführungen gefunden hat und somit für YiYi nun die perfekte Einheit seines Kinos finden konnte. So bleibt Mahjong ein weiterer integraler Anteil einer Filmographie, die sich bis zu ihrem Ende immer weiterentwickelt hat.

Freitag, 23. März 2012

The Terrorizers (Edward Yang, 1986)

"I feel I`ve used up all of my emotions."

Regie - Edward Yang
Drehbuch - Edward Yang, Hsiao Yeh
Kamera - Chang Chan
Erscheinungsjahr - 1986
Laufzeit - 109 Minuten



Bücher sind Bücher, kein Grund sie mit der Realität zu verwechseln. Diesen Satz sagt einer der Charaktere, eine mehr oder wenig unglücklich verheiratete Schriftstellerin, in der ersten Hälfte des Filmes. Sie will ihrer Jugendliebe, mit welcher sie gerade im Bett liegt, sagen das er ihr geschriebenes nicht so ernst nehmen soll da dieser wie sie erfährt durch eines ihrer früheren Bücher angeblich erkannte wie sehr sie unter seiner damaligen Heirat mit einer anderen Frau litt. Er soll Fiktion nicht mit Realität verwechseln. Eine Aussage welche man durchaus als Leitmotiv für den Film benutzen kann wenn man möchte. Eine Aussage von welcher auch die sie ausgesprochen hat nicht unverschont bleibt. So ist es doch ein Anruf, der Streich, eines Mädchens an unsere Schriftstellerin und die Konsequenzen aus den herausgehörten Anschuldigungen gegen ihren Mann welche einen Großteil der Aktionen im Film in Bewegung setzt. Kann sie doch nicht von der erfundenen Geschichte des Mädchens, das ihr Mann fremdgeht, ablassen. Bringt es doch Zweifel und Probleme in ihr hoch welche sie mit ihre Ehe hat. Probleme welche selbst nach dem sie erfährt das es wohl nur ein Strich wahr nicht verschwinden sondern wachsen. Sie hat also die Fiktion nicht mit der Realität verwechselt aber wurde dennoch enorm von ihr beeinflusst. Genauso wie der junge Amateur Photograph welcher bei einer Schießerei, welche den Film einleitet, ein Mädchen auf der Flucht photographiert. Er ist fasziniert von ihrem Gesicht und hängt dies bei sich in überlebensgroße an die Wand. Doch wird seine Version, seine Fiktion, sein nie ausgesprochenes oder überspitztes Verlangen nach diesem Mädchen von der Realität subtil gebrochen als er sie kennenlernt. Fiktion nicht mit Realität verwechseln. Edward Yang zeichnet mit seiner schon damals sehr vielfältigen Feinfühligkeit ein Bild einer Gruppe von Menschen im Limbo zwischen Großstadt Dschungel und innerer ennui, allesamt miteinander verbunden, alle miteinander das Leben des nächsten am beeinflussen. Und wie der Name des Films es schon treffend formuliert wird es in keinen der Fälle ein positiver Eingriff in das Leben des anderen sein. The Terrorizers ist ein Film der nicht aufdrängt, trotz seiner Schlagfertigkeit und seiner extreme gegen Ende hin. Er teil seine Geschichten aus einander, fragmentiert Szenen und lässt sie in einander übergehen. Ganz im Sinne der Welt und den Probleme in welcher sich die Personen befinden. Edward Yang "erzählt" also nicht wirklich seine Geschichte sondern zeigt uns dessen Überbleibsel für uns zu fühlen und arrangieren.

Sonntag, 11. März 2012

Edward Yang and a matter of perspective



Etwas in seiner augenscheinlichen Gesamtheit betrachten zu können...



....heißt nicht das selbiges für uns wirklich klar zu sehen ist.
 
 
The Terrorizers (Edward Yang, 1986)

Freitag, 16. Dezember 2011

Yi Yi – A One and a Two (Edward Yang, 2000)

"Wir leben drei mal so lange, seitdem der Mensch den Film erfunden hat."

OT - Yi Yi
Regie & Drehbuch - Edward Yang
Kamera - Yang Wei-han
Erscheinungsjahr - 2000
Laufzeit - 173 Minuten



Der kleine Yang-Yang, jüngstes Mitglied der von uns beobachtenden Familie , steckt in einer Krise. Einer Gewaltigen. Ihm ist eine tragische Einsicht gekommen als er von ein paar Mädchen, während eines großen Familienfotos bei der Hochzeit seines Onkels, ständig an den Hinterkopf gestupst worden ist aber nie sehen konnte wer der Übertäter genau war der ihn so malträtiert. Darauf kam ihm die Einsicht das alle von uns Menschen ja nur ein Teil der Wahrheit sehen können, ist unsere Perspektive doch so ausgestattet das wir nie unseren eigenen Hinterkopf sehen können. Dies bereitete ihm Sorgen, hieße dies doch das wir Menschen nur einen Teil der Welt erblicken können. Da es aber auf fast jedes Problem auch eine Lösung gibt machte es sich Yang-Yang zur Aufgabe den Leuten dieses fehlende Stück Wahrheit zu zeigen. Also nahm die Kamera seines Vaters und photographierte von nun an die Hinterköpfe von diversen Leuten.



Ab jetzt scheint es wohl passend zu erwähnen das Yang-Yang selbst, neben der Tatsache das er natürlich auch eine vollkommen eigenständige sowie ins Detail ausgearbeitete Persönlichkeit ist, auch als eine Art Spiegelbild Edward Yangs fungiert. Edward Yang selbst macht es sich nämlich auch zur Aufgabe in seinem letzten Film YiYi uns die blanken Flächen in unserer Wahrnehmung sichtbar zu machen. Er zeigt uns das was wir selbst nicht in der Lage sind zu sehe durch die Limitationen welche jeden von uns inne wohnen. Und es ist jetzt wahrlich ein schweres unterfangen nun nicht in glorifizierende Adjektiv Schlacht auszubrechen. Dies würde zwar die momentanen Gefühle gut widerspiegeln aber den Film viel zu sehr unter Wert verkaufen. Und das will man ja bei solch einem Werk tunlichst vermeiden. Doch ist es solch ein enorm Persönlicher Film, welcher es auch verlangt das man ihn als solch einen erfährt. Yang inszeniert sein Universum mit einer zurückhaltenden Demut mit welcher er all den ihr inne-lebenden Personen immer versucht genug Distanz zu geben um zu Atmen, mit all ihren Fasern. Yang verzichten weitestgehend darauf filmische Techniken zur Manipulation der Gefühle zu benutzen um seinen Punkt deutlich zu machen oder unsere Wahrnehmung auf etwas bestimmtes zu fokussieren womit er nämlich in enorm hinderndes, konstruiertes dramatisieren bestimmter Ereignisse abrutschen würde.


Er macht uns klar das dies ein Bruch der anfangs aufgeführten Intention wäre und seine Perspektive auf uns zwingen würde. Doch kann jeder Mensch, auch er, nur durch seine eigenen zwei Augen sehen was im Täglichen Leben, wie er aufzeigt, nicht selten Schwierigkeiten sowie Leid bringen kann. Yang lässt uns manchmal deswegen auch nur die Spiegelbilder und Silhouetten der Personen erblicken um auch uns dem Zuschauer zu signalisieren, obgleich des introspektiven Feingefühls mit welchem er seien Charaktere behandelt, das auch wir nur egal wie "richtig" das alles sich anfühlt gebremst werden durch unsere Auffassung. Er hält uns auf Abstand lässt uns in gleichem Zuge aber tief hinein, eine Fähigkeit selten so sicher durchgeführt wie hier. Dies ist dann wahrscheinlich aber auch der Grund warum der Film diese Kraft besitzt. Er zeigt uns unsere eigenen grenzen als Menschen und wie wir sie aber auch nützen können um in all dem Leid und den Problemen welches das Leben in unserer ewig treibenden Gesellschaft mit ihren Spiegelbildern und Isolierten Gedanken auch Fragmente der Wahrheit sehen können welche unsere eigene Perspektive, so unvollständig sie auch immer bleiben mag, zu ergänzen und uns sowie andere Menschen dadurch besser verstehen zu können. Eines der substantiellsten Werke des Kinos.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

What time is it there? (Tsai Ming-liang, 2001)

"What is the time now in Paris?"

OT - Ni na bian ji dian
Regie & Drehbuch - Tsai Ming-liang
Kamera - Benoît Delhomme
Erscheinungsjahr - 2001
Laufzeit - 116 Minuten








Der Vater stirbt. Die Mutter verwirrt sich in Buddhistischen Lehren und wartet auf die Reinkarnation des Mannes. Ist er die Kakerlake in der Küche oder der Fisch im Aquarium? Wer weiß. Der Sohn schon gar nicht weswegen er seiner Mutter nur unbeholfen zusehen kann. Zusehen wie die Zeit verstreicht. Die in seinem Leben und auf all den Uhren die er täglich in den Straßen Taiwans verkauft. Die Zeit die er auf all den Uhren die er sieht sieben Stunden vor stellt nachdem das hübsche Mädchen welches eine seine Uhren wollte ihm von Paris erzählte. Den dort wird sie bald hin fliegen. Wieso? Weiß sie wohl selber nicht. Den alles was sie in Paris zu machen scheint ist Ziellos herum zu wandern, in Cafés zu sitzen, in Parks ein zu schlafen und auf einem Friedhof die Telefon Nummer von jemandem Namens Jean-Pierre (Léaud) zu erhalten. Der war ja mal in so einem Film so weit ich weiß. Ganz bekannter Nouvelle Vague Vertreter. Wie heiß der noch? Naja is ja auch egal. Der Uhren-Typ in Taiwan kennt den bestimmt hat er sein Interessenfeld von Uhren ja nun auch mit Frankreich erweitert, speziell dessen Filme. Da sieht der sich auch immer so ein Film an in dem so ein Junge geküsst und geschlagen wird( Wortwitz haha). Gemeinsam haben aber die Mutter, der Sohn und das Mädchen aber trotzdem so einiges. Von Einsamkeit bis zur Distanzierung und Verfremdung mit der Welt. Das ganze Potpourri eben. Gemeinsamkeiten und Gefühle die uns Tsai Ming-liang nicht nur zu zeigen versucht sondern dank seiner Bildsprache es auch schafft solche in uns zu erzeugen. Am Ende ist die Welt die gleiche. Unsere Protagonisten schlafen jeweils auf ihrer Seite der Weltkugel. Das Riesenrad dreht sich. Genauso wie die Zeit. Alles was ihnen bleibt ist die Gegenwart.

Dienstag, 13. Dezember 2011

The River (Tsai Ming-liang, 1997)

"My neck..."

OT - He liu
Regie & Drehbuch - Tsai Ming-liang
Kamera - Liao Pen-jung
Erscheinungsjahr - 1997
Laufzeit - 115 Minuten



Zu Beginn des Film trifft Hsiao-kang auf eine Freundin die er, wie wir in dem kurz darauf folgende Gespräch zwischen den beiden erfahren, seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie ist momentan Assistentin bei einem Filmdreh und lädt Hsiao prompt ein mit ihr zu genau diesem zu kommen. Um ein wenig in der pur visuellen Erzähl Form des Tsai Ming-liang zu schwelgen welche in seiner Gesamtheit, wie Roger Ebert es schön sagte ein Querschnitt zwischen Ozu, Bresson, Antonioni, Tati und Keaton ist muss man sich nur mal diese eine Eröffnungsszene und den darauf folgenden Besuch bei dem besagten Filmdreh näher ansehen. Der Film startet und wir sehen zwei nebeneinander liegende Rolltreppen. Die rechte fährt nach oben. Die linke daneben nach unten. Ganz normal eben, nichts besonderes. Nun aber lässt Tsai nach ein paar Sekunden des betrachten dieser Rolltreppen seine Akteure in dieses Umgebung ein. Das Mädchen kommt von oben links ins Bild und geht auf die Rolltreppe welche sie nach unten befördert. Im selben Moment fährt von unten herauf Hsiao-kang. Er fährt nach oben, sie nach unten, beide sich entgegen. Doch erkennen tun sie sich als sie sich entgegen kommen nicht, es ist nur ein kleiner Blick beim treffen der beiden auf gleicher Höhe welcher das Mädchen stutzig macht und sie umdrehen lässt. Sie ruft Hsiaos Name und dieser dreht sich um und erkennt sie nun auch. Nun bewegen sich beide aber in entgegengesetzter Richtung voneinander weg. Es ist solch ein Bild in welchem Tsai die Umgebende moderne Architektur mitsamt allen Objekten zu seinem Vorteil formt und anordnet um die stetige Entzweiung und Isolierung der menschlichen Emotionen zu visualisieren. Und das ist das Ausrufezeichen bei dem Kino des Tsai Ming-liang. Er visualisiert aber das ohne zu viel durch Schnitte zu kommentieren, dies will er dem Zuschauer überlassen. Das besondere aber daran ist weiterhin das ein Tsai nie bedeutungsvoller und wichtiger erscheinen will als es ihm lieb ist, in allem was er macht steckt eine Komik die man so nie erwarten würde. Als beide Seelen sich nun nämlich erkannt haben rast das Mädchen so schnell wie möglich nach unten um die Rolltreppe nach oben zu nehmen währen Hsiao versucht nach unten zu laufen nur um zu merken das die Rolltreppe, welche ja nicht aufhört nach oben zu fahren, ihn immer wieder mitzieht und er nun auf einer stelle wie ein Hampelmann rennt ohne in eine Richtung zu gelangen. Dies ist aber nur eine von mehreren Szenen in der sich die Komik in einen Film schleicht bei dem es so eigentlich so gar nichts zu lachen gibt. Das dies Tsai aber nicht viel kümmert ist vielleicht mit eine seiner größten Stärken, das er inmitten all der Depression, Verstörtheit und Menschlichen Verwesung nie seinen Sinn für Humor verliert. Das schaffen nicht viele. Nun aber zur zweiten Szene, dem Filmdreh. Wir werden Zeuge wie eine Filmcrew an einem Kanal eine eigentlich einfache Szene drehen will. Eine Leiche soll im Wasser umher schwimmen. Das ist alles. Nur haben sie nur einen steifen Dummy parat welcher egal wie oft sie ihn ins Wasser schmeißen und egal wie sehr sie ihn mit Dreck einreiben nicht wirklich das Ergebnis bringt welches die Regisseuren will. Bei solch Krisen ist es natürlich immer gut einfach mal eine Pause einzulegen was dann auch gemacht wird. Während dieser Pause aber trifft die Regisseurin den nun anwesenden Hsiao. Dieser wird von ihr überredet, obwohl das Wasser wie er sagt ja ganz schön dreckig sei, die besagte Leiche zu spielen. Umringt von der Kamera, Beleuchtung, Regisseurin, Filmteam und Schaulustigen steigt er also ins dreckige Wasser. ACTION. Der Mensch als ziellos umher treibende Leiche umgeben voller Dreck. Unbezahlbar Lustig! Unbezahlbar Ernüchternd! Das Kino des Tsai Ming-liang. Eine einzigartig Erfahrung, immer und immer wieder.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Goodbye, Dragon Inn

"There are Ghosts in here."


OT - Bu san
Regie & Drehbuch - Tsai Ming-liang
Kamera - Liao Pen-jung
Erscheinungsjahr - 2003
Laufzeit - 82 Minuten


Nur weil Menschen nicht miteinander reden heißt es nicht das sie nicht miteinander kommunizieren. Ganz im Gegenteil, erst wenn der Mensch aufhört sich auf Wörter zu verlassen und bemerkt das sie nichts weiter sind als weiße Flecken in der Menschlichen Verständnis so erkennt er das es die Stille ist die die Wahrheit nach außen trägt. Einer der wenigen Regisseure der dieses Konzept bis in Mark und Bein perfektioniert hat ist Tsai Ming-liang. Doch diesmal geht es nicht wie in seinen anderen Film hauptsächlich um den Mensch und dessen Unfähigkeit im Umgang mit den eigenen Emotionen sowie denen anderer, sondern um eine viel wichtigere Verknüpfung. Um das Lichtspielhaus und den Menschen der ihm inne wohnt. Da scheint es fast schon logisch das man am Ende mehr von diesem einen Kino erfährt, in welchem GOODBYE DRAGON INN spielt, als über die paar Personen die sich in ihm herumtreiben. Mit statischem Blick sieht Tsai in die Augen des Kinos das so langsam am verblassen ist. Es stirbt zwar eine langen, stillen und langsamen Tod, aber es stirbt. Nur sieht man dies fast nie. Deshalb, wenn gegen Ende die Lichter angehen im Saal, die Frau von der Kasse mit ihrem humpelndem Bein durch die leeren Gänge humpelt und wir, die Zuschauer, mit einer Einstellung konfrontiert werden die uns mal ganz Spiegel verkehrt nicht die Leinwand zeigt sondern das was davor liegt, ja dann sieht man diesen Tod, man sieht das Kino sterben und das letzte was man will ist das diese eine Einstellung aufhört. Und das tut sie auch nicht, jedenfalls für eine weile, den Tsai hält geschlagene 5 Minuten an ihr fest und lässt sie für diese ganz Zeit auch nicht durch einen doofen Schnitt kollabieren. Das erinnert an den berühmten sechseinhalb Minütigen Close-Up aus Tsais Meisterwerk Vive l'Amour und hat den selben Effekt. Man ist dankbar. Äußerst dankbar und erschüttert. Denn ist es genau das gewesen was man brauchte. Das der Film dabei aber nie bestimmerisch oder hochmütig mit sich selbst und uns umgeht sondern wie immer mit einer erstaunlichen Unbeschwertheit eine fast schon mystische Atmosphäre erschafft, ja das ist nebenbei bemerkt auch schon eine Leistung an sich. Besser kann Kino kaum werden.



Sonntag, 4. Dezember 2011

Visage

Everyone is gone.

Regie & Drehbuch - Tsai Ming-liang
Kamera - Liao Pen-jung
Erscheinungsjahr - 2009
Laufzeit - 138 Minuten











Das einzige was ich sicher über Visage sagen kann ist das ich nichts sicher über Visage sagen kann. Tsai fügt mit diesem seinem bisher letzten Film, in einer Reihe sowieso schon ausnahmsloser Grenzerfahrungen dessen generelle Substanz sich mehr und mehr zu einem Spiegel für jeden Menschen bildet, ein weiteres Teil hinzu welches dieses mal einen etwas abstrakteren Einblick durch unsere von nachdenklichem Terror geplagte Einsamkeit führt. Visage ist ein Film im Film ohne Film. Ein Mann aus Taiwan macht in Frankreich einen Film, eine Mutter stirbt, eine Produzentin macht sich sorgen, eine Schauspielerin isoliert sich in ihrer Wohnung, ein Schauspieler kämpft mit der Liebe und ein Elch verirrt sich in Paris. Das ist Visage, doch scheint dieser Film irgendwo anders zu sein, in mitten der Schnitte, uns verborgen. Er fristet sein Dasein in dem was wir nicht sehen. Was Tsai uns nämlich zeigt sind Resultate, Reaktionen auf Ereignisse welche ohne wirkliche Exposition nur durch Symbolisches analysieren oder guter Aufmerksamkeit bestimmter Gesten und Eindrücke sich im Kopf finden und binden können. Dort entsteht dann Visage, dort dreht Tsai den Film. In uns. Es ist definitiv nicht einfach, und für Leute die Tsais Filmographie sowie seine Evolution nicht kennen mag es ein befremdliches Gefühl sein solch bestimmend banales zu verstehen. Doch auch hier sei gesagt, die Idee ist die selbe, das Anliegen das gleiche. Tsais Charaktere sind ständig dabei sich immer von etwas zu Isolieren, von Leuten, Welten, Emotionen etc. Aber vergeblich. Die Überschreitung wird kommen, sie kommt immer. Doch was man dort dann sieht wann die Isolation gebrochen ist und der Spiegel vor einem steht. Das einzige was man dann sieht, ist das was sich Reflektiert. Man selbst.
Visage.