Eine Einstellung. Gefüllt mit Personen, Bewegungen und Geschichten. Das Bild als autonomer Mikrokosmos in dem alles passieren kann und darf. Hiervon sollte man eigentlich lernen, allen voran sollte man aber Lachen. Perfektes Kino.
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Montag, 9. Dezember 2013
Montag, 15. Juli 2013
Le Soupirant ( Pierre Étaix, 1962)
"Will you marry me?"
Die Strapazen der Einsamkeit, auf dem Weg mit einer Zweisamen Welt in Verbindung zu treten. Ein Mann sitzt auf der Couch. Zwei Frauen umgeben ihn. Eine echt. Eine nur durch ein Fernsehgerät zu betrachten. Die Einsamkeit, hat nur Augen für das Bild, die Fantasie einer Frau und ihrer plastischen Romanik. Die aus Fleisch und Blut ist zu echt, repräsentiert etwas zu unkontrollierbares. Etwas das stört. Man möchte jubeln vor Freude, wenn es nicht so traurig wäre.
Etaix positioniert unsere Sympathiefigur, welche von seinen Eltern zur Heirat oder jedenfalls zur Brautschau aufgefordert wird, in Umgebungen die für seine zuvor eher zurückhaltende und mit sich beschäftigende Persönlichkeit in großem Kontrast steht. Im normalen dramaturgischen Verfahren, wäre nun die perfekte Ausgangssituation gegeben um durch dieses gegenübersetzen von Elementen, die ideale Projektionsfläche zu bauen welche Spannung, Humor oder etwaiges aus solch Situationen schöpfen kann. Den feinen Akzent den Etaix hier setzt ist dieser, das er uns nicht einfach in eine Stimmung versetzt welche man sehr oft damit beschreibt, das man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll, also ein gewisses Auseinanderstellen dieser zwei Reaktionen. Ferner schafft er es beide zu überlappen. Man möchte weinen, gerade weil der Schmerz dieser Wahrheiten, welche hier in der verzweifelten Suche nach Gemeinsamkeit existieren, erlebt wird. Doch fällt es einfacher zu lachen, um den Schmerz verschwinden zu lassen. Wir lachen, weil wir ihn nicht ertragen können. Ein bedachter Humor den so nur die wenigsten Künstler erschaffen können. Dies findet dann alles seine endgültige Vollendung in der letzten Einstellung des Films, welche nicht nur die perfekte Ausformulierung der besprochenen Tragik ist, sondern auch Etaixs bestimmendes filmisches Wahrnehmungsgefühl mit seiner vollen Ausnutzung der Möglichkeiten des Bildraumes (Interessenverschiebung zwischen Vor-Mittel-Hintergund) ist.
Samstag, 12. Januar 2013
Wir werden nicht zusammen alt (Maurice Pialat, 1972)
"- When someone leaves you it's like they die." "- It's worse, they're still alive."
OT - Nous ne vieillirons pas ensemble
Regie & Drehbuch - Maurice Pialat
Kamera - Luciano Tovoli
Erscheinungsjahr - 1972
Laufzeit - 110 Minuten
Etwas zu Beginn des Filmes sehen wir einen Mann der sein Mädchen am Bahnhof verabschiedet. Sie steht am offenen Fenster im Zug. Er auf dem Bahngleis. Die Blicke treffen sich ein letztes mal und der Mann läuft in die eine Richtung während der Zug in die andere fährt. Der komplette Gegensatz zu dem was Hollywood uns zu Glauben machen versucht hat für so viele Jahre, und es immer noch versucht. Die Liebe welche Pialat hier zeichnet oder besser gesagt porträtiert da die Geschichte auf seine eigenen Erfahrungen basiert, ist keine konstruktive. Keine die die Zeiten oder Probleme überdauert. Pialats Liebe ist zu tiefst destruktiv. Der Name gibt da schon den richtigen Anhaltspunkt: Wir werden nicht zusammen alt. Die eigenen Erinnerungen welche vom Regisseur hier aufgezeigt werden sind in ihrer emotionalen Gewalt nicht leicht zu schlucken. Unser Liebespaar ist nicht selten dabei sich zu trennen nach einer weiteren verbalen oder handgreiflichen Attacke des Mannes auf das Mädchen nur um danach (perfekt visualisiert durch den fragmentarischen Schnittstil) wieder zusammen zu finden. Ein ewiger Kreislauf des Leides scheint dies Liebe zu sein. Pialat macht da vor sich selbst auch keine Geheimnisse. Die Darstellung des Mannes (welcher ja auf ihm basiert) zeichnet eine zerrüttete und zu tiefst verabscheuende Seele die in ihrer inneren Aggression, welche oft den Weg nach außen findet, die Liebe zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen an erster Stelle hat und sein eigenes Versagen auf die Liebe um sich herum projiziert. Wäre man Psychologe müsste man zu dem Ergebnis kommen das Pialat enorm ehrlich mit sich selbst war oder sich selbst unglaublich hasst. Ob das eine oder das andere, der Film funktioniert vor allem deswegen so gut, aufgrund der Tatsache das diese schmerzhafte Erinnerung eines verlieren menschlicher Nähe so realistisch und nahbar gemacht worden ist. Doch lässt der Film es trotz alle dem am Abspann klar werden das es eben doch nur ein Film ist. Wo die Spuren der schmerzhaften Realität versteckt sind ist uns überlassen.
Dienstag, 3. Juli 2012
Caché (Michael Haneke, 2005)
"Was wollen sie?"
Regisseur & Drehbuch - Michael Haneke
Kamera - Christian Berger
Erscheinungsjahr - 2005
Laufzeit - 117 Minuten
Das einzige was an Cache aussetzten wäre ist das Haneke es für meinen Geschmack nicht zur Gänze schafft seine offene Dramaturgie mit Konsequenz zu handhaben. Der Mann ist nicht doof, soviel ist klar, er will das wir aktive Teilnehmer seiner dargestellten Realität werden und versucht uns dies möglich zu machen in dem er jegliche Form von Antworten aus dem Film abstrahiert um uns mit Fragen zu entlassen sodass der Film nicht auf der Leinwand (oder auf dem Bildschirm) endet sondern erst in unserem Kopf einen Kreis zu schließen vermag. Er will das man zuhört und zusieht um seine eigene Perspektive an die Offenheit des Filmes anzuschließen. Und das ist gut, sehr gut sogar. Doch schafft er es nicht sich von Muster typischen Mitteln vollkommen frei zusagen, die Kamera ist trotz ihrer statischen zurückhaltigkeit in ein paar Szene am direkten eingreifen in das Verarbeiten der Informationen welche eigentlich für den Zuschauer gedacht worden sind. Dies tritt meistens bei interpersonellen Aktionen auf, was recht schade ist da der Film es die meiste Zeit dann doch schafft (um jetzt mal positiv zu werden) uns die völlige Freiheit im Raum zu lassen um durch diverse Nuancen und Details sowie Verhaltensmustern in die Unruhe der dargestellten Charaktere zu blicken, sie selber zu entdecken und zu deuten. Deswegen ist es auch so Schade wenn sich dann plötzlich ein Schnitt in den Film schleicht der unseren Fokus direkt auf Dinge zieht die wichtig erscheinen oder Haneke sich verpflichtet fühlt auf uninteressantes shot>reverse shot>reaction shot Geplänkel zurück zu greifen. Dies bleiben dann zum Glück Anomalien, trüben den gesamt Eindruck aber etwas. Vielleicht bin ich da aber auch nur etwas Kleinkariert was diesen Kritikpunkt angeht, wer weiß, hat sich jedenfalls so angefühlt. Cache bleib aber selbstredend trotzdem immer noch eine perfide Parabel welche in psychologischer Authentizität ein in sich verschwimmende Bild von Schuldzuweisung und Schuldbewältigung malt dessen Bedeutungen für den Hauptcharakter des Films immer schwerer zu unterscheiden sind.
Montag, 7. Mai 2012
Inside
"I killed my mother.."
OT - À l'intérieur
Regie - Alexandre Bustillo & Julien Maury
Drehbuch -
Alexandre Bustillo
Kamera - Laurent Barès
Erscheinungsjahr - 2007
Laufzeit - 80 Minuten
Es ist nicht so sehr das Inside ein wirklich schlechter Film ist, so genannt zu werden wäre ja schon wieder ein Privileg, er ist einfach kein guter Film. Ja darin liegt ein Unterschied. Und ja ich nehme es mir den Absolutismus mal einfach raus. Mit unter all dem Blut vergossenen doch sehr formelhaft angewendeten Versatzstücken aus Filmen die mehrere Jahrzehnte nun schon vergangen sind will Inside nämlich nur das eine. Extreme. Die Fallhöhe ist da egal. Der Film lechzt danach und suhlt sich in ihnen wenn er endlich mal von der Leine gelassen werden darf. Dahingehend kann man den Film nämlich auch nicht wirklich Kritisieren. Nur scheint dies einfach alles zu sein was erreicht werden will. Die ab und an, während dem Blutrausch, aufkeimende und anscheinend die physische Gewalt spiegelnde Soundkodierung suggeriert zwar ab und dann das da noch irgendwo Terror heraufbeschworen werden sollte, verblasst in seiner uneinheitlichen Verwendung aber meistens und bleibt unbeeindruckend. Deswegen fällt es mir auch schwer Inside als schlechten Film zu bezeichnen so hat er doch alles erreicht was er wollte: Das Blut ist rot, die Effekte sind "fabelhaft" und die Extreme extrem. Wer nicht mehr von Film will (und das ist jetzt nicht wertend gemeint, jedem das seine) darf sich hier also froh schätzen, ich bleib leider Schulter zuckend und unaufgeregt zurück und denke mir meinen Teil.
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Alexandre Bustillo,
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Julien Maury
Donnerstag, 23. Februar 2012
Trouble Every Day (Claire Denis, 2001)
"I don't want to wait anymore. I want to die."
Regie - Claire Denis
Drehbuch - Claire Denis, Jean-Pol Fargeau
Kamera - Agnès Godard
Erscheinungsjahr - 2001
Laufzeit - 101 Minuten
Das einzige Problem welches man Claire Denis's Film Trouble Every Day, und jedem anderen ihrer Filme, anhängen könnte ist die limitierte Denkweise des Zuschauers welcher ihn sich ansieht. Ihr singulärer Stil etwas zu erzählen war schon von Anfang an eigen und wurde von Film zu Film eigener da er sich immer weiter entwickelte. Denis hat ihre eigene Sprache gefunden und sie ausgebaut. Sich einen Film von ihr anzusehen heißt also etwas zu sehen dessen Intentionen nicht wirklich die eines Standard Dramas sind, ein Film welcher nicht da drauf drücken will wo andere schon ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben. Wie sie erzählt mag also für ungeübte Augen abstrus wirken, genauso wie thailändisch für einen Schwaben eine akustisch abstruse Angelegenheit sein wird. Deshalb erscheint es in Anbetracht dessen immer sehr ungeschickt ihre Filme, vor allem diesen hier, auf ein Genre oder auf ihr Thema zu reduzieren. Trouble every Day mag aufzeigen wie Menschen in der Unmöglichkeit der Kommunikation miteinander sich selbst regelrecht auffressen und so benutzt sie auch freilich die Kannibalen Thematik um einen gewissen sexuellen Hunger genau dadurch wiederzuspiegeln in den wortlosen Taten der Charaktere. Doch ist es in ihrer Sprache nicht von oberster Priorität zu erklären warum oder weshalb dies passiert. Trouble every Day will nicht, und das ist jetzt wichtig zu wissen, in die Köpfe der Charaktere und eine anschauliche, für Redneck Cineasten beruhigende weil schon präexistente, Subjektivität der Person erfinden. Dies scheint immer ein viel zu geschlossenes Verfahren zu sein welches Motivationen und Gefühle auf die im Film beherbergten Charaktere aufzwingt. Es geht hier in dem Film lustigerweise gerade darum das zu machen was man sonst als Kenner immer gerne verpönt. Die Oberfläche anzukratzen. Denis hat da dann zum Glück auch die sensible Sinnlichkeit, welche wahrscheinlich wirklich nur von einer Frau eingesetzt werden konnte, um diese Oberfläche mit ihren sehr körperlichen Bildern zu berühren aber nicht zu sehr zu diktieren. Sie vertraut (mehr als andere) auf den Zuschauer das er durch das was sie ihm zum sehen und hören bereitstellt - die Körper, die Oberflächen, die Bewegungen und Farben sowie die subtile Klangkulisse - selber das interne Schaffen der Figuren zeichnet, eine Aufforderung und offene Gestaltung welche so leider immer seltener wird im Kino. Und wie gesagt nicht ohne den Willen des Zuschauers funktioniert. Dies kann man nun positiv sowie negativ betrachten. Ich jedenfalls, aufpassen jetzt wird es persönlich, war verzaubert und hätte mich nur zu gerne von der wunderschön Béatrice Dalle beißen lassen.
Montag, 19. Dezember 2011
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