Freitag, 3. Februar 2012

The Human Condition


Just a man looking into the very nightmarish hell he so desperately in his optimism taught he could avoid.


Because it would irreversibly strip him of his humanity.


He had no luck.


And perished in the process.


The Human Condition 

Donnerstag, 2. Februar 2012

Damnation (Bela Tarr, 1988)

"They want me to watch the pityful efforts everyone makes in trying to speak"

OT - Kárhozat
Regie - Bela Tarr
Drehbuch - Bela Tarr, László Krasznahorkai
Kamera - Gábor Medvigy
Erscheinungsjahr - 1988
Laufzeit 116 Minuten




Das Leben ist ein Moloch. Ein Biest mit tausend Masken. Ein Abgrund der nicht etwa darauf wartet das man hineinfällt sondern nur auf den goldenen Moment aus ist in welchem man in ihn hineinsieht. Den fallen tun wir alle. Daran wird sich nie etwas ändern. Der Schrei mag vielleicht über die Zeit weg verhallen, ändern tut sich aber nichts.Wir sehen uns an und sehen nichts weiter als die Tiefen. Die Dunkelheit welche um uns tanzt. Tag ein Tag aus. Sie umhüllt uns mit Regen und badet uns im Schlamm von Mutter Erde. Die Verdammnis. Sie ist ein trickreiches Monster, nein ein Engel. Etwas von beidem. Sie stellt uns vor die Hoffnungslosigkeit unserer Existenz, vor unser ach so schnellen und absoluten Endlichkeit. Und Warum? Ja warum denn eigentlich? Darum!



Es wäre ungerecht Bela Tarrs insgesamt fünften Film in seiner Karriere als reines Übergangs Werk zu beschreiben. Falsch aber natürlich auch nicht. So waren Filme wie Almanac of Fall oder Family Nest doch hauptsächlich Filme des sozialen Realismus. Filme eher dokumentarischer Natur mit Fokus auf familiärem Drama. So gesehen ist es also legitim Damnation als Übergangsfilm zu bezeichnen. Ist es doch sein erstes Werk in welchem er seine kontemplative Ader sowie seinen distinktivem Stil welcher sich von fortan durch die späteren Filme brannte kreierte. Doch impliziert die Phrase "Übergangs-Film" etwas noch nicht fertiges, etwas in sich noch nicht gereiftes aber auf langfristige Sicht beginnendes. Eben etwas welches den Übergang zu etwas anderem ebnet aber selbst noch nicht vollwertig scheint sondern zwischen zwei Stühlen festsitzt. Dies ist Damnation aber nicht, was es neben ein paar anderen Aspekten auch zu so einem besonderen Film macht. Was Bela Tarr hier in ganz natürlicher Steigerung seiner langsam entfalteten Tendenzen als Künstler und seinen damit zusammen hängenden Intention mit Damnation geschaffen hat ist nämlich eine schon längst komplette und vollwertige Vision. Sich selbst und seinem dargestellten Universum sowie dessen Fragilität  bewusst. Ein formschönes Porträt einer individuellen-sozialen Sorge umgewandelt in die kosmische Tragik des Mensch Sein. Und der damit zusammenhängenden langsamen Desintegration von sich selbst und anderen in der Angst und der Furcht die Hoffnungslosigkeit nicht zu besiegen welche einem immer wieder begegnet.



Tarr, und dies ist eines der großen Unterschiede zu seinen früheren Filmen, zeigt uns seine Welt nun in minimalistischer aber nichtsdestotrotz durchaus behutsam ästhetischen Bilder. Er benutzt so oft es geht Weitwinkelobjektive und macht Gebrauch von, stets durch komponierter, Schärfentiefe um in Verbindung mit seinen langen Einstellungen uns nicht nur ein Gefühl für die Personen oder der verstrichenen (filmischen) Zeit zu geben sondern auch für den Raum in welchem all dies passiert. Dadurch kreiert er wie sein großes Vorbild Jancso, eine dichte räumliche und zeitliche Verbindung in seinen Szenen. Dies soll nicht bedeuten das dadurch keine Perspektive aufgezwungen wird in Damnation, wie gesagt Realismus ist das hier nicht mehr. Tarr obwohl er uns in seinen Szenen die Freiheit der Wahrnehmung lässt und so wenig es geht auf Manipulatives verschieben umsteigt hat trotzdem seine künstlerische Kontrolle stets in der Hand und bildet mit ihr eine Art Rahmen aus der weder wir noch das dargestellte entkommen kann. So soll das aber auch sein.







Damnation ist konkret. Ist eindeutig. Hier gibt es nichts zu interpretieren. So jedenfalls Bela selbst über seine Filme ab Damnation welche diesen oben leicht angesprochenen Stil besitzen. Dies scheint schwer zu verstehen und anzuerkennen wenn man seine Filme sieht. Gibt es doch so viel doppeldeutiges was doch eigentlich etwas ganz anderes bedeuten könnte. Dabei hat Tarr aber recht, hier gibt es kein entweder - oder - vielleicht - wahrscheinlich. Wir sind es nur nicht gewohnt solch Stille, solch banaler Ehrlichkeit von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten und sie als einfach genau das zu akzeptieren. Wenn der Hauptcharakter am Ende ziellos durch den Schlamm streift, zufällig einen streunenden Hund sieht und auf alle vier herunter geht um ihn anzubellen dann ist das keine Metapher oder sonst etwas. Es ist einfach das was da zu sehen ist. Ein Mann auf allen Vieren in Schlamm. Unser Kopf will da dann immer den schlauen spielen und Assoziationen setzten zu etwas größerem, etwas außer filmischen. Er will sich selbst um Kopf und Kragen reden und Jenseits von all der intellektuellen Obszönität nicht wahr haben das das was vor ihm steht auch genau das ist und gerade deswegen so Wertvoll sein sollte.

Dienstag, 31. Januar 2012

Extreme Private Eros: Love Song 1974 (Kazuo Hara, 1974)

"I don't open myself up to anyone. I don't want to."

OT - Gokushiteki Erosu: Renka 1974
Regie - Kazuo Hara
Kamera - Kazuo Hara
Erscheinungsjahr - 1974
Laufzeit - 98 Minuten




Das erste das wir zu sehen bekommen ist ein Portrait einer Frau. Ein Bild mit gewisser Passfoto Mentalität. Starrer Blick, die Kamera durchstoßend mit einem unsichtbaren Lächeln das schnell als etwas komplett anderes assoziiert werden könnte. Der Film zoomt auf sie zu und verweilt nachdem er die Augen erreicht hat einen Moment auf ihnen als ob er etwas von ihnen erwartet, sie etwas fragen möchte. Etwas in ihnen sucht. Die Antwort kommt aber nicht, ist ja eben nur ein Bild.






Eine darauffolgende Montage an Bildern dieser Frau gibt sie uns als Miyuki Takeda, geboren 1948, zu erkennen. Lebensgefährtin des Regisseurs für mehrere Jahre und Mutter seines Kindes. Viel sei passiert in dieser Zeit sagt uns der Regisseur, Kazuo Hara, aus dem Off während wir die verschiedenen Bilder dieser Frau betrachten. Doch nach einiger Zeit, als die Beziehung auf einem Höhepunkt angekommen war sagte sie sie brauchte ihren eigenen Raum und verließ Hara mitsamt des Kindes. Das mag jetzt drastisch klingen so sei aber angemerkt das wir es mit Japanern zu tun haben, anständigen Leuten die solch Drama nicht wie wir Westler in andere Dimensionen treiben. Sie besuchte ihn immer noch jede Woche, beteuert Hara sofort im Off, und teilt uns mit das sie trotz dieser Auszeit immer noch eine gute Beziehung zueinander hatten. Bis sie ihm eines Tages bekannt gab das sie nach Okinawa zieht. Was, um das mal in europäische Relationen zu setzten, so wäre wie wenn ein Berliner sagt er zieht nach Istanbul. Solch eine Distanz machte ihn angespannt und nervös da er wahrscheinlich bei solch einer Entfernung nicht in der Lage wäre mit Gefühlen zurecht zu kommen die er immer noch für sie empfand. Er musste etwas unternehmen, so seine Worte. Also, ganz der Künstler, nahm er seine Kamera machte einen Film. 


Und was für einen. Kazuo Hara, welcher mit Goodbye CP eine Dokumentation machte dessen Inhalt der Akzeptanz und Beobachtung stark behinderter Menschen in einer "wegschauenden" Gesellschaft gewidmet war und wenn nicht schon durch seine penetrant bewundernswerte Durchführung dann immerhin einfach nur durch sein Sujet schon ein Wagnis war erbaut sich hiermit einen Berg dessen Gipfel zu erklimmen ein unglaubliche Erfahrung verspricht. Hara begleitet seine nun nicht mehr Lebensgefährtin durch ihr Leben, Leiden und Lieben (Eros) in Okinawa. Es ist mehr als einmal widersprüchlich wie er es schafft solch raues Verhalten und Wahrhaftigkeit aus dieser Frau zu zeigen, ist es doch generell angenommen das jegliche Situation vieles an der ihr implantierten Realität verliert wenn man eine Kamera in sie platziert. Nicht so hier scheint es. Hara filmt wie ein leise observierender Geist gleichzeitig aber auch wie ein aufdringlicher Paparazzi. Unsichtbar und aufdringlich, nie zurückweichend, selbst wenn es die menschliche Vernunft eigentlich würde, die Kamera bleibt. Seine Kamera bleibt. Der Grund dafür wird durch genaues hinhören/sehen irgendwann ersichtlich. Hara scheint eine introvertierte Persönlichkeit zu sein, so bezeichnet Miyuki ihn jedenfalls als sie mit seiner neuen Freundin redet während er sie filmt und man als Zuschauer aber trotzdem nicht merkt das er überhaupt im selben Raum ist. Die Kamera ist für ihn also kein drittes Auge wie für normale Kameramänner sondern sein einziges Auge, sein einziger Kanal um die Welt zu verstehen und sie zu erkennen. Mit ihr zu kommunizieren. Deshalb ist seine erste Reaktion auch einen Film zu machen wenn er mit Gefühlen konfrontiert wird die er zu verstehe/bewältigen versucht. Deshalb auch die natürliche Reaktion von Miyuki gegenüber ihr, der Kamera. Deshalb auch die Möglichkeit diese Frau, dies so besondere Frau, kennen zu lernen und im Gegenzug auf etwas versteckterer Ebene auch etwas über den Mann der sie Geliebt hat und nun diesen Film dreht zu erfahren.





Extreme Private Eros: Love Song 1974 scheint da also ein mehr als passender Titel zu sein. Der Film ist Kazuo Haras Love Song an diese Frau. Sein privates Porträt von ihr wie Leonardos für Mona Lisa, nur hier eben in Schwarz Weiß und mit etwas ruppigerem Sprachgebrauch. Sein Trieb nach Liebe für sie (Eros). Und die extreme Sturheit mit welcher Hara voranschreitet, Höhepunkt davon wahrscheinlich die Live Geburt von Miyukis zweitem Kind in Haras Apartment. Es ist eine Intime Baustelle, eine der Intimsten die ein Künstler je auf Bild gebannt geschafft hat. Ein Bild nach innen gekehrt und für die (eigene) Welt nach außen gezerrt. Bewältigung der eigenen Gefühlswelt auf ganz mutigem Pfade welcher die eigenen Schwächen nie verleugnet sie aber auch nie verrät oder für billige Manipulation preisgibt. Ein Kraftakt. Wahrhaftig. Und einer der schönsten (Liebes-)(Leidens-)Filme überhaupt.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Theo in Bildern - DIe Ewigkeit und ein Tag

"Sag mir...Der morgige Tag...Wie lange wird er dauern?"
"Die Ewigkeit....und ein Tag"














Dienstag, 24. Januar 2012

Auf Wiedersehn Theo

Egal wo du jetzt bist, mach es gut mein lieber.


Montag, 23. Januar 2012

Just an image #1

Oramunde(Emlen Etting, 1933)



Notiz: Was wären Filme ohne ihre Bilder, ohne ihre Form durch welche ihr Existenz erst Textur bekommt. Dies ist eine Rubrik ihnen gewidmet. Eine reduzierte Version der "Regisseur in Bildern" Reihe, da manchmal ein Bild genug sagt.



Samstag, 21. Januar 2012

Ausflug in die kurze Schönheit #2

Turbulent (Shirin Neshat, 1998)




Geteilte Welten. Gespaltene Welten. Shirin Neshats 10 minütige Video Installation ist eines der kleinen großen Highlights der Filmkunst. Angefangen mit dem kraftvollen Vortragen eines Liedes von einem Mann auf der linken Bildschirmhälfte, mit dem rücken zu seinem männlichen Publikum bis zum Ausbruch der weiblichen Intensität an Sprachlosen Gefühlslagen der davor stillen Frau auf der rechten Bildschirmhälfte vor einem leeren Publikum. Selbst wenn man hier die tieferlegende und unaufdringliche soziologisch-geschlechtliche Verarbeitung nicht erkennen mag in der strikten Einteilung und dem Aufbau der dargestellten Bilder, allein auf ästhetischer Ebene unglaublich erstaunlich. Der wortlose Schmerz einer Frau im restriktierten Raum fühlbar gemacht in schmerzhaften Tönen der Verzweiflung und Wahrheit. Und das in 10 Minuten.