"There are some things a man just can't ride around."
OT - Ride Lonesome
Regie - Budd Boetticher
Drehbuch - Burt Kennedy
Kamera - Charles Lawton Jr
Erscheinungsjahr - 1959
Laufzeit - 73 Minuten
Den Film umgibt eine recht weltmüde Aura des Todes, welche so in den eher romantisierenden Geschichten über den Westen damals selten zu finden war. Hier will jeder irgendjemanden umbringen und jeder weiß zugleich, das es da draußen jemanden gibt der einen selbst umbringen will. Die Frau im Bunde sagt da zurecht zu unserem Held: "God, like two dogs fighting over a bone!" Doch entsteht genau dadurch eine Art moralisches Gleichgewicht im Film, die Figuren wirken selten wie ein rein narratives Konstrukt die allein zur Progression gewisser inhaltlichen Züge gebraucht werden. Hier ist jeder sein eigener Herr (oder eben Frau) über das eigene Schicksal, im Wissen das der Tod auch für sie kommen wird. Nicht durch Gott, die Natur oder Zufall, sondern in Form eines anderen Menschen. Diese Attitüde wird speziell durch Boettichers sehr ausgeglichenen Kompositionen geformt, sodass das "Böse" nie nur im anderen gefunden wird, sondern immer auf einer Stufe in einem selbst brennt. Wenn ein Outlaw z.B. unserem Helden erzählt was er mit dem Gefangenen machen will den unser Held nach Santa Cruz bringen will (wo der Galgen auf ihn wartet) und ihm somit suggeriert das er ihn wohl umbringen wird bevor er sein Ziel erreicht, dann stehen beide umhüllt in fast vollkommener Dunkelheit beisammen und reden wie gleichgestellt. Hier sind alle gleich, egal ob Held oder Krimineller. Alles nur Menschen. Das Boetticher in all diesem menschlichen am Ende noch ein Tor zum transzendenten aufmacht, die Umgebung in eine Repräsentation der brodelnden Rache umbaut, welche selbst im Feuer aufgeht, dann steigt der Film in Höhen auf welche im Western so selten erreicht worden sind.
"The hostage asked me why I shot him. I told him the gun misfired. He says he'll sue. These guns are supplied by the UK. Go sue the England."
OT - Seng fat dak ging
Regie - Johnnie To, Tsui Hark, Yeung Wah
Drehbuch - Gordon Chan
Kamera - Chik Kim-Kit
Erscheinungsjahr - 1988
Laufzeit - 98 Minuten
Während man die Einflüsse des jungen Johnnie To hier vor allem in mehr konzeptuellen Methoden und Ideen der Inszenierung wiederfindet, sowie in einem gewissen Sinn für ein etwas melancholisches Darstellen einiger psychologischen Spielereien mit dem Hauptcharakter und seinen Defiziten, entsteht durch die sehr explikative und übertriebenen Gewaltdarstellungen seines Co-Regisseurs eine sehr fühlbare Unausgeglichenheit. Denn obwohl Gewalt in Tos Filmen häufig ein Element ist, verkommt sie nie zu einem Mittel der Befriedigung oder Ausschlachtung abwertender Emotionen. Sie mag zwar meistens stilisiert sein, doch ist sie immer an eine tragische Spannweite, Verzweiflung oder Verlorenheit gekoppelt welche die schwere des Todes nie außer acht lässt (bestes Beispiel sei da sein letzter Film Drug War). Deshalb wirkt der Film in seiner Glorifizierung der drastischen Gewalt oft unpassend inmitten den von To gezeigten Elementen. Wenn man sich jedoch aus diesem Blickwinkel (gerichtet auf To, und wie der Film in seinem größeren künstlerischen Kontext funktioniert) etwas befreien kann, etwas das bei der Gewaltdarstellung nicht unbedingt sein muss, funktioniert der Film aber sehr gut als Teil des Heroic Bloodshed Genres. Wodurch vor allem durch das blut-durchtränkte Ende etwas Sinn für Fatalismus aufkommt und die Gewalt einigermaßen erträglicher macht da sie in einen tragbareren Kontext gerückt wird. Die Geschehen mündet somit nämlich eher in einer Geschichte über Verlierer, anstatt in eine über Gewinner.
Breaking News. Schwarzes Bild. Dann: Die Kamera sieht in die Luft, nur blauer Himmel und die oberen drittel vereinzelter Hochhäuser sind zu sehen. In einer Bewegung schweift die Kamera nun langsam ihren Blick nach unten, um uns den räumlichen Überblick über eine kleine Seitengasse zu liefern. Ihr Sitz ist aber immer noch erhöht, fast auf einer Höhe mit den Häuser die sie umgibt. Langsam bahnt sich die Kamera ihren Weg hinunter in die Seitengasse und fängt in ihrer Mitte eine Person ein welcher sie, nun mit allen drei Beinen auf dem Boden, folgt. Sie beobachtet diese männliche Person von hinten wie sie in einen Hauseingang verschwindet. Mit immer noch wackerem Interesse fliegt die Kamera nun einfach wieder in die Lüfte, an der Hauswand nach oben, um an einem offenen Fenster im zweiten Stock ein Zimmer zu entdecken in welchem unser unbekannte Mann von vier anderen Männern empfangen wird. Sie reden, doch was sie sagen ist nicht von großem Interesse, irgendjemand soll angeblich ein Auto vorfahren und ganz suspekt scheinen sie auch nicht zu sein. Die Männer machen sich fertig und verlassen langsam das Zimmer, einer jedoch geh noch einmal an das geöffnete Fenster vor dem noch immer unsere Kamera verweilt. Seinem Blicke nach draußen folgend, schwenkt die Kamera nun rechts hinunter und sieht auf einmal wie eine Zeitung, welche auf einem kleinen Dach unterhalb des Hauses liegt, vom Wind weiter nach rechts geblasen wird und genau auf der Windschutzscheibe eines Autos landet. Die Kamera ist nun wieder auf dem Boden und fährt langsam an das Auto heran welches da unten parkt. Der Fahrer nimmt die Zeitung von seiner Scheibe und redet mit seinem Beifahrer, irgendwas wird gesagt. Der Beifahrer fragt beiläufig ob die Nachrichten denn schon wieder Zeitverschwendung sein wird. Der Fahrer antwortet leichtfüßig das sie wissen würden was denn heute passiert wenn es die Zeitung von morgen wäre. Wieso er das sagt ist nicht genau klar, das er etwas vorhat, auf etwas oder jemanden wartet (könnten es die suspekten Personen in dem Haus sein?) ist aber deutlich.
Dies sind nur die ersten knapp zwei Minuten der insgesamt sieben minütigen Eröffnungseinstellung-/szene von Johnnie Tos Breaking News. In einer einzigen ungeschnittenen Einstellung schafft es To die Kamera vom Himmel herunter zu holen, auf dem Boden herumfahren zu lassen, wieder in den Himmel zu schicken, erneut nach unten schweifen zu lassen nur um dort all mögliche Geschehnisse einzufangen für dessen Entstehung es normaler Weiße die Magie der Montage benötigt. Was die Kamera hier aus technischer Sicht leistet ist in der gesamten Filmgeschichte vielleicht nur noch mit der berühmten Beerdigungsszene aus "I Am Kuba" zu vergleichen. Doch auch formal schaff er es mit seiner einzigartigen Bildsprache diese technische Kompetenz so zu benutzen, um mit einfachsten Gesten und Bewegungsabläufen der Kamera intuitiv inhaltliche sowie charakterbildende Gegebenheiten (Wer ist sind die guten, wer die bösen und was sind ihre groben Charakterzüge) einzuführen. Das alles mitsamt einer ständigen und langsam aufbauenden räumlichen Kohärenz die aus dieser kleinen Gasse, welche sich binnen weniger Sekunden in ein Kriegsgebiet verwandelt, eine geschlossene Einheit schafft. Ein Meisterwerk der Filmkunst. Wie der Rest des Filmes, dessen Medien-Satire sich mit mehrmaligen sehen viel besser in ein sonst so pures visuelles Vergnügen eingliedert. So geht es in Breaking News nämlich nur auf einer Ebene um diese Medien, der Rest ist ein grandioses Spiel mit Räumen (anfangs offen, nur begrenzt durch die transparenten Räume der urbanen Umgebung, dann durch den Wechsel ins Hochhaus eingeengt durch tatsächliche Räume - Treppenhäuser und Gänge). Ein Ausnahmefilm des modernen Kinos und trotzdem "nur" der 12. beste Film des Johnnie To. Da kann einem schon mal schwindlig werden.
Die Früh-Phase des Kinos von Johnnie To verschwindet meistens unweigerlich neben seiner, von neuer Kreativität und Freiheit geprägten, Ära die mit der Gründung seines Milkyway Produktionsstudio begann und bis heute stark anhält. Verwunderlich ist dies nicht, da die Höhen welche der Hong-Kong Meister mit jedem weiteren Film heutzutage durchbricht auch durchaus von anderer Qualitativen Güte sind wie seine Anfänglichen Gehversuche, doch ist es durchaus eine enorm interessante und erleuchtende Tätigkeit/Vergnügen, sich näher mit eben jenen auseinanderzusetzen. Sein Debüt stellt da keine Ausnahme dar. Schon durch das wild-suggestsive Intro wird anfangs klar das man es hier nicht einfach nur mit einem Martial-Arts Film zu tun hat, man wird eher an japanische Exploitation-filme der 70er erinnert (und in späteren Momenten auch an Italo-Western) wenn man sich die Musik sowie die Raum-verzerrenden Schnittmuster ansieht. Sich in eine einfache Genreklassifikation zu drängen war To wohl damals schon zu einfach. Dies wird speziell ersichtlich wenn der Film sich gen Ende endlich öffnet im Bezug auf sein Inhaltliches Leitmuster, und uns zeigt was die Motivationen unseres eigentlichen Antagonisten sind. Hier regiert nicht etwa Rache, Hass oder blinde Ehre, sondern ausgerechnet Nächstenliebe und soziales Engagement. Eine bedeutende Information im Film, die selbst unseren Helden zum innehalten anregt, welche vom körperlich schwächsten Charakter (einer Frau) benutzt wird um die zwei Personen zu beschützen die sie am meisten liebt, welche drauf und dran waren sich gegenseitig zu töten. Eine unglaublich warmherzige Aktion, die zwar leider doch fatalistische Endresultate mit sich zieht, in ihrer Aufrichtigkeit bezüglich festgefahrener Geschlechterrollen im Genrefilm aber durchaus positiv zu bewerten ist. Auch stilistisch weißt der junge To bedeutende Akzente auf die man bis in seine jetzige Schaffensphase mitverfolgen kann. Ganz besonders hervorzuheben seien hierbei die letzten beiden Kampfszenen, welche durch ihren innovativen sowie tragisch konnotierten Zeitlupeneinsatz, den expressiven Licht/Schattenspielereien oder klaren Raumdarstellungen deutlich aufzeigen, das man hier einen jungen Mann vor sich hat dessen Zukunft mehr als nur vielversprechend seien könnte.
"Probability is like gravity: you cannot negotiate with gravity."
Regie & Drehbuch - Michael Mann
Kamera - Dion Beebe
Erscheinungsjahr - 2006
Laufzeit - 13 Minuten
Anders als zuvor in Collateral, als Michael Mann noch einige Szenen auf Film gedreht hat um die Einschränkungen des digitalen Kinos zu überbrücken, gibt er sich in Miami Vice fast vollkommen dieser neuen Aufnahmetechnik hin. Er akzeptiert die Limitationen des Digitalen und verwendet sie hier das erste mal wirklich als Vorteil, um sich den ästhetischen Eigenheit nicht als Problem zu nähern sondern als einen lediglich neuen Weg etwas zu zeigen. So ist es verständlich wenn das körnige Bild in den Nachtaufnehmen z.B. zuerst noch für einige ablenkend wirken mag sollte man sich jedoch im klaren sein das es sich hier um etwas neues handelt. Wenn die zwei Hauptcharaktere am Beginn des Filmes z.B. aus dem See an Menschenmassen in einer Disko, voll von über-stimulierenden Farben und Geräusche, nach draußen auf ein Dach gehen und sich hinter ihnen ein See an Lichtern und Gebäuden ausbreitet, dann legt Mann die Konzentration hier auf die Fähigkeiten des digitalen Bildes und dessen enorme Weitsicht. So entstehen wort-wörtlich unendliche Kompositionen welche in ihrer starken Einteilung und horizontalen Gliederung, in denen der rote Himmel den Großteil des Bildes einnimmt und die Lichter der Großstadt zu einer feinen Linie in der unteren Hälfte werden, dann am besten mit deutscher Früh-Romantik zu vergleichen sind (David Friedrichs "Mönch am Meer" kommt in den Sinn). Hier passt sich also nicht nur die eine Bewegung auf die andere ab, sondern auch Linien und Formen sowie Farben und Gesten. Ein Abgleich geometrische Symbole und formalen Einheiten die nicht nur im autonomen Bild an sich eine Präsenz finden, sondern auch mit Verbindung andere darauffolgender eine Bedeutung ergeben. Ein ständiger Fluss an Bildern der eben nicht nur mit sich im einzelnen (und uns) kommuniziert, doch auch untereinander die klare Linie der suggerierten oder dargestellten Empfindungen und Wahrnehmungen unterstreicht. Das mag jetzt alles recht theoretisch klingen, doch schaffte es Mann ja gerade durch diese neuen Möglichkeiten eine Erweiterung seiner sowieso schon weit ausgebreiteten Emotionen. Die Sehnsucht von Professionellen nach etwas außerhalb ihrer kalten Tätigkeiten, der Blick in diese immer weiter ausbreitende Weite. Doch bietet diese keine Antwort, am Ende ist alles wieder wie am Anfang und der Versuch der Flucht in einen Traum nach Liebe und Frieden ist nur ein Traum geblieben. Ein schöner, aber hoffnungsloser. Ach du süße Melancholie, lass mich noch verweilen. Sie sieht ihn. Er sieht sie. Sie fährt weg, ihn im Blick. Doch er ist schon fort, zurück in seiner Welt.
One of these mornings / Won't be very long / You will look for me / I'll be gone.
Drehbuch - Philip Dunne, Arthur Caesar, Herbert Ravenel Sass
Kamera - Harry Jackson
Erscheinungsjahr - 1951
Laufzeit - 81 Minuten
Die Geschichte eines hübschen jungen Franzosen, der sich in Geheimer Mission auf das Piratenschiff eines der teuflischsten Kapitäne der Meere begibt, um von der britischen Marine sein schönes Schiff wieder zu bekommen. Und seine Ehefrau. Langweilig. So hat es sich wahrscheinlich auch Tourneur gedacht und dreht unseren Blickwinkel dieser Geschichte einfach mal auf den Kopf, in dem unser Hauptcharakter eben nicht der hübsche junge Franzose ist sondern der teuflische Kapitän. Wäre das nicht schon gewagt genug, wird aus dem Kapitän die Kapitänin. Auf die zahlreichen sexuellen Implikationen will ich hier gar nicht eingehen, da diese an fast jeder Ecke lauern. Schön aber zu sehen wie sich ein Film vornimmt, vor allen wenn man mal das Erscheinungsjahr betrachtet, einen Film über den "weiblichen Blick" zu machen. Anne ist zwar kleiner als fast all ihre männlichen Gegenspieler und an Wahnsinn, Gewalt oder Fehlendscheidungen fehlt es ihr auch nicht, doch ist es sie die in lodernden Flammen verglühen darf. Sie ist es die (bitte entschuldigt) die Hosen an hat. Sie ist es die im Angesicht des Verderben ihren (erneut, Entschuldigung) Mann steht und dem Feind ins Gesicht sieht. Eine freie Frau, wenn auch nicht ohne Fehlern. Doch das sie diese haben darf, macht sie in ihrer Unglück doch so menschlich.