Sonntag, 14. April 2013

Dienstag, 9. April 2013

Dancing Girl (Mikio Naruse, 1951)

"We are not a family, only four people living together!"

OT - Maihime
Regie - Mikio Naruse
Drehbuch - Kaneto Shindô
Kamera - Asakazu Nakai
Erscheinungsjahr - 1951
Laufzeit - 85 Minuten





Die Desintegration einer Familie in der Nachkriegsmentalität. Die Tochter merkt gegen Beginn des Filmes ernüchternd ihrer Mutter an das der Haussegen währen des Krieges nicht so krumm stand wie nun. Die Mutter entgegnet ihr in nüchterner Resignation das dies nicht besonders verwunderlich sei, da man ihnen ja die Freiheit während dieser Zeit nahm. Die Freiheit so zu Leben wie der eigene Geist/Gefühle es diktieren, fern jeglicher soz. Norm oder einer "Verbundenheit" sowie "Verantwortung" gegenüber der Moral der eigenen Nation. Doch genauso wie der Krieg das Leben der Menschen langsam verlassen hat so kommt nun auch diese angebliche Freiheit wieder zurück und schickt sie von einer falschen Welt voller Illusionen nun wieder zurück in das echte Leben. Und da gibt es eben Probleme. Mann und Frau sind seit über 20 Jahren verheiratet, doch ein Bündnis der Emotionen blieb seit jeher aus. War der Grund ihrer Lebensvereinigung doch weniger die Liebe zueinander als die Verantwortung gegenüber ihrem gemeinsamen Kind (und später Kindern). So musste die Frau ihre eigentliche Liebe fallen lassen. Doch nun, nun ist die Freiheit zurück. Die Kluft der Ehepartner wird zusehend großer, ihre Körpersprachen kommunizieren sehr deutlich ihre gegenseitige Abneigung zueinander, mit jeder Bewegung und jedem gewechselten Wort füllt sich das Kontingent des Ertragbaren. Das Glück muss nun wieder da gefunden werden wo es damals auch schon war, die alte Flamme wird wieder entzündet und die Frau kann nun auf ein neues Leben mit ihrer alten Liebe hoffen. So sind die Komponenten welche die Ehe der Frau zusammenhielten ja verschwunden. Der Krieg ist vorbei und die zwei Kinder sind nun erwachsen. Doch ist die Hoffnung wieder nur ein Trugschluss des Lebens, ein Naiver Traum welcher die Aufopferung an eine deutlich kaputte Familie (aber eben immer noch eine Familie) übersieht. Naruse sagte einst das egal wo seine Charaktere sich hin drehen oder -gehen , sie unweigerlich auf eine Wand treffen die sie an ihrem Drang nach Vorne aufhält. Ob diese Wand in dem Fall von "Dancing Girl" nun wieder Unglücksseligkeit bereit hält oder doch dem Glück eine zweite Chance lässt, bleibt in den verheißungsvollen/verlorenen Blicken zweier Menschen zueinander und einer heißen Sommernacht verborgen, auf das wir uns selbst die Antwort suchen müssen.

Dienstag, 26. März 2013

Karamay (Xu Xin, 2010)

"[...] During the performance a fire breaks out in the hall, killing 323 people and wounding over 130. Most of the casualties are schoolchildren between the ages of 6 and 14. Karamay City officials escape with no more than minor injuries."

Regie & Kamera - Xu Xin
Erscheinungsjahr - 2010
Laufzeit - 356 Minuten


"Karamay" ist bei weitem kein vollkommen singuläres Erlebnis (Erlebnis im Kontext der Form) im Kino. Die Endscheidung einen Dokumentarfilm zu machen der fast ausschließlich durch seine einseitigen Interviews strukturiert/definiert ist, mag dem einen oder anderen vielleicht schon bekannt sein. Unter den wenigen Beispielen dieser konsequenten dokumentarischen Ausdrucksform findet man auf der einen Seite Claude Lanzmanns "Shoah", der z.B. komplett auf Archivmaterial verzichtet (etwas das "Karamay" verständlicher weiße nicht machen muss, da seine Thematik ja anders als der Holocaust kaum bekannt ist und sogar systematisch unterdrückt wird), wobei sich auf der anderen Seite der Chinese Wang Bing befindet mit seinem Film "He Fengming - Chronicle of a Chinese Woman" welcher diese Form endgültig purifiziert in dem er komplett auf externe Realitäten verzichtet und für die gesamte Laufzeit nur einer einzigen Person gegenüber sitzt und ihrer Geschichte zuhört. Xu Xin ist somit also nicht alleine mit seinem Film. Einzigartig ist "Karamay" aber trotzdem. Die angesprochenen Filme kehren auf ihre Weiße nämlich den gemeingültigen Standard vieler Dokumentarfilme um, in dem sie den Zuschauer nicht aufklären oder ihm gar etwas erklären wollen. Man will sie dazu bringen zuzuhören. Eine alternde Aktivität in unserer Zeit. Doch ist dies die wirklich menschlich/moralisch/anthropologisch vertretbare. Dem Zuschauer auf der Couch oder in dem dunklen Kinosaal eben mal nicht durch ein artifizielles oder didaktisches Vorgehen eine Geschichte miterleben lassen, nach dem "Privilegierten Prinzip", die andere Menschen durchlebt haben. Sondern uns die Gesichter und Körper dieser Personen vorzusetzen. Ihre Stimmen. Ihnen einfach mal wirklich zuzuhören. Sie das sagen zu lassen wofür sie von ihrer Gesellschaft in den Wahnsinn getrieben werden. Ihren Worten lauschen. Die kleinsten Unebenheiten und Brüche in ihren Gestiken oder Stimmlagen wahrnehmen. Ihren Schmerz sehen, nicht "Vor-fühlen" lassen. Wir hören die zahlreichen Testamente einer tragischen Nacht die zu vielen unschuldigen Menschen sinnlos das Leben genommen hat und müssen mit noch tragischer Erkenntnis dessen Konsequenzen erfahren. In der Mitte des Filmes sagt eine Frau sehr passend "Wir haben so viele Probleme über die wir nur Reden können. Dies ist unsere einzige Waffe." Eine Waffe namens Wahrheit dessen Kraft sich die Mächtigen des Landes nur allzu bewusst waren und immer noch sind, weswegen sie den Opfern diese Waffe entzogen hatten. Xu Xin gibt sie ihnen durch seine Kamera zurück.

Montag, 11. März 2013

Petition (Zhao Liang, 2009)

"Are we not humans?"

OT - Shang Fang
Regie & Kamera - Zhao Liang
Erscheinungsjahr - 2009
Laufzeit - 123 Minuten


Das System gegen das Individuum. Ein ewiger Kampf, dessen Verlierer die Menschlichkeit des einen ist und leider immer öfters das Leben (im wörtlichen oder eben übertragenen Sinne) des anderen fordert. Doch ist das hier nicht Kafka oder Orwell. Dies ist keine Zukunftsvision oder Fiktion. Dies ist leider Realität. Und die ist wie so oft noch abstruser in ihren Ausmaßen und fataler in ihren Konsequenzen als man es sich ausmalen könnte. Immer mit dem Drang nach vorne, mit dem einen Ziel vor Augen rettet Zhao Liang mit Petition ein Bild der Realität vor seiner Verfälschung oder dem vollkommenen Vergessen. Ein Bild in welchem der Mensch auf seiner Suche nach Gerechtigkeit durch eine nur sich selbst nutzende Bürokratie in ein Leben der Transgression gezwängt wird, während um ihn herum seine Stadt vollkommen der Progression verschrieben ist. Hoffnung ist in diesem Leben nur der Ausbruch aus dem Kreislauf. Entweder durch den eigenen Tod oder durch das Aufgeben der Suche nach dem was doch eigentlich "Richtig" sein sollte. Wie ein Schnellzug auf der einen Seite das Leben einer alten Dame nach ihrem jahrelangen und erfolglosen Kampf nach Recht brutal beendet hat, bietet er einem jungen Mädchen das jahrelang an der Seite ihrer Mutter ihr eigenes Leben aufgegeben hat nun die Hoffnung auf ein neues Leben.

Donnerstag, 28. Februar 2013

Just an image #8

Raining in the Mountain (King Hu, 1979)


Dienstag, 26. Februar 2013

Superman Returns (Bryan Singer, 2006)

"You will see my life through your eyes, as your life will be seen through mine."

Regie - Bryan Singer
Drehbuch - Michael Dougherty, Dan Harris und Bryan Singer
Kamera - Newton Thomas Sigel
Erscheinungsjahr - 2006
Laufzeit - 154 Minuten


In einer Szene des Films fliegt Superman bis an die äußere Grenze unseres kleinen blauen Planeten um diesen zu beobachten. Er hört jedes Wort, jeden Hilfeschrei auf ihm in einem gewaltigen Wortschwall der für ein Menschen wohl nichts weiter als Lärrm wäre. Doch er hört es alles. Es hat einen Grund das ich gerade nur "für ein[en] Mensch[en]" geschrieben habe und nicht "für einen normalen Menschen". Denn Supermann ist nicht wie all die anderen Superhelden. Er ist kein Mensch. Seine wahre Existenz ist die mit der übernatürlichen Kraft für welche der handelsübliche Superheld erst einmal in ein radioaktives Fass stolpern müsste. Seine Maske ist im Umkehrschluss dann also die eines Menschen. Denn Superman ist kein Mensch. Nein. Für so jemanden wie ihn gibt es bei uns Menschen ein anderes Wort. Gott. Singer geht in seiner Verfilmung den konsequenten Weg dieser seit jeher deutlichen aber nie wirklich so konkret ausformulierten Symbolik der Ikone (Lois: Will we see you around? Superman: I'm always around.). Er macht ihn zu der gottgleichen Figur welche sie ist. Deshalb muss Superman im ganzen Film auch nie physische Gewalt gegen seine Gegner anwenden. Ganz einfach aus dem Grund da er es nicht nötig hat. Seine Präsenz sowie die nicht fassbare Größe seiner scheinbar unendlichen Kraft (oder jedenfalls die welche über die menschliche Wahrnehmung hinausgeht) reicht vollkommen. Wahrscheinlich ein Grund warum der Film bei so vielen auf taube Ohren getroffen ist da dieser doch so Grund Amerikanische Held aller Helden hier keine Fäuste schwingt um seine Gegner zu besiegen und somit die Gewaltlust des Publikums unbefriedigt zurücklässt. Doch badet auch ein Super-Mann nicht ganz im göttlichen Glanz. Genauso wie es bei üblichen Superhelden oft passiert das die Identität des Mannes vor der Maske sich langsam mit derer hinter der Maske verbindet, so ist es auch passiert das ein unter Menschen lebender und von Menschen erzogener Gott nicht gänzlich unbeeindruckt von den menschlichen Besonderheiten (Liebe etc.) ist denen er begegnet. Ähnlich wie auch Ang Lees Adaption des Hulk mit seiner interessanten Vater-Sohn Dynamik hat auch Superman Returns durch seine riskante Umsetzung mit fast schon pazifistischen Zügen der Namensgebenden Legende beim Publikum leider versagt und bekommt nun eine Erneuerungskur. Ob dies hilft und neue Akzente setzten kann oder nur ein zurückziehen in einen allzu sicheren Panzer sein wird bleibt offen. Zu wünschen wäre die erste Option. Der Mann in den Strumpfhosen hätte es durchaus verdient.

Montag, 4. Februar 2013

Collateral (Michael Mann, 2004)

"Guy gets on the subway and dies. Think anybody'll notice?"

Regie - Michael Mann
Drehbuch - Stuart Beattie
Kamera - Dion Beebe und Paul Cameron
Erscheinungsjahr - 2004
Laufzeit - 120 Minuten


Seit seine Anfängen als Filmschaffender war Michael Mann immer enorm an dem Aussehen seiner Filme interessiert. Von Blutmond über Thief bis zu der populären Serie Miami Vice ist diese Tendenz des romantischen Ästhetizismus mit seinen dunklen Nächten, satten Farben, parallel Positionierungen (vertikal, horizontal wie auch immer) von Personen oder Dingen durchaus deutlich zu erkennen. Doch langsam aber stetig kam etwas neues zu Vorschein in diesem Prozess. In all diesen unverkennbaren Stilistiken die er bald wie aus dem Stegreif auswendig konnte fand er die expressiven Möglichkeiten des Bildes an sich. Des Kinobildes. Heat, The Insider oder Ali. Alles großartige Filme die dieses intuitive Suchen und Finden aufzeigen. Doch war es erst mit Collateral geschehen das er sich mit seinem, langsam immer weiter ins digitale abschweifende, Bilde an neue Grenzen traute. Dies soll nun bei weitem nicht bedeuten das er hier schon die unheimlich formale Konsequenz und Neuerfindung eines Miami Vice erreichte, oder gar die von Public Enemies, doch verwandelt er hier seine visuelle Oberfläche der Bilder erstmals wirklich (finde ich jedenfalls) in einen Spiegel seiner Figuren, Emotionen, Umgebungen und Stimmungen samt dessen Texturen und Nuancen. Und langsam aber sicher verschwindet jegliches Gefühl für off-screen-space in den endlosen tiefen und weiten Fasern des digitalen sodass ein Raum nie mehr einfach nur ein Raum ist und das da draußen keine abgetrennte Realität darstellt sondern immer verbunden scheint, was das klare sound design nur noch unterstützt. Ein paar alte Überbleibsel des normalen Erzählkinos sind zwar noch vorhanden, was ja nicht schlimm ist, doch die Veränderung in seinen Bildern ist hier wahrlich deutlich zu spüren und ebnete somit den Weg für das wahrscheinlich interessanteste was im Amerikanischen Kino der Neuzeit so gemacht worden ist. Die ersten drei-vier Schüsse in diesem Film sind neben bei bemerkt das angsteinflößende das ich seit langem gehört habe, fast schon apokalyptisch in ihrer brachialen Deutlichkeit. Einzigartig.